Dr. Horst Sproßmann vom "ThüringenForst" kennt die Antwort.
Wie viele Bäume einen Wald bilden, ist in Deutschland im Bundeswaldgesetz geregelt. Demnach ist jede mit Forstpflanzen- also mit Fichten, Buchen, Kiefern - bestockte Grundfläche ein Wald. Vom Wald ist somit die Rede, wenn er forstwirtschaftlich genutzt wird.
Die Rechtssprechung in Deutschland geht von einer Mindestgröße von etwa 0,2 bis 0,5 Hektar aus. Wichtig: Es muss sich ein "vegetationstypisches Waldinnenklima" bilden. Das heißt, der Wald dient der Luftreinigung, dem Lärm-, Wasser- und Bodenschutz, der Erholung und Ökologie. Zehn oder zwanzig zusammenstehende Bäume sind also nur im Ausnahmefall tatsächlich ein Wald. Stattdessen sind Lichtungen, Waldwiesen, Holzlagerplätze oder Forstwege dem Gesetz nach Wald, obwohl kein einziger Baum darauf steht. Holzenergieplantagen, Almen oder Heideflächen sind hingegen kein Wald, obwohl Bäume darauf stehen können. Parks sind ebenso kein Wald, sondern städtische Grünflächen. Weltweit gibt es übrigens 63 verschiedene Definitionen von Wald. Im Freistaat entscheidet die untere Forstbehörde bzw. das örtlich zuständige Forstamt, wann eine Fläche Wald ist.
Artikel im Allgemeiner Anzeiger für Nordhausen 13.Juli 2014 von Jana Scheiding
Das erstmals 2009 in Thüringen beobachtete Eschentriebsterben hat sich rasant in gesamten Freistaat verbreitet. Es ist zu befürchten, dass die Esche in den heimischen Wäldern bei weiterer Krankheitsausdehnung seltener anzutreffen sein wird. Ein bisher in unseren Breiten unbekannter, aus Ostasien stammender Schlauchpilz infiziert die Eschentriebe aller Altersklassen, so dass es je nach Vitalität des Baumes zum Zurücksterben der Krone, dann oft zum Absterben des Baumes kommt. Doch jetzt schöpfen die Forstschutzexperten bei ThüringenForst Hoffnung: Forschungen aus Nordeuropa zeigen, dass die Resistenz gegen diese Krankheit genetisch bedingt ist und sich vererben lässt. Auch in Thüringen laufen seit 2012 Untersuchungen in diese Richtung. Diese werden jetzt verstärkt.
"Wir haben die Hoffnung, resistentes Baummaterial aus Eschen gewinnen zu können, welche in der Lage sind den Erreger abzuwehren und offensichtlich ohne größeren Vitalitätsverlust eine Infektion zu überstehen. Dieses würde die Rettung der Esche als forstwirtschaftlich wie ökologisch wichtigen Waldbaum voranbringen", so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Denn die Experten beobachteten, dass unmittelbar neben befallenen Eschen immer wieder Einzelexemplare scheinbar völlig oder nahezu frei von Schadsymptomen waren. Seit dem Sommer 2012 wurden einige dieser Exemplare durch die Förster erfasst, markiert und geschützt. 2014 entnahmen Experten Reisermaterial, aus dem nun Pflanzen gezogen werden. In Freilandversuchen erfolgt später eine künstliche Infektion dieser Jungpflanzen mit dem gefährlichen Schlauchpilz. Bestätigt sich die Resistenz der Mutterbäume, könnte eine neue, weitgehend tolerante Eschengeneration in Thüringen etabliert werden. Sorge bereitet gleichwohl eine mögliche Verarmung der genetischen Diversität dieser "neuen" Eschengeneration, die sich dann womöglich den Umweltveränderungen wie etwa dem Klimawandel weniger gut anpassen kann. Ebenso besteht Gefahr, dass sich die Virulenz des Erregers erhöht und dieser auch die vorhandene Resistenz dieser "neuen" Eschen überwinden kann.
Als seine diese Risiken nicht schon genug, steht auch noch ein neuer Eschenschädling vor der Tür: Der Asiatische Eschenprachtkäfer hat von Osten einwandernd mittlerweile die Region Moskau erreicht. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann er in Thüringen erstmals gesichtet wird.
Artikel im "ThüringenEcho" vom 17.Januar 2015
Aufmerksam geworden durch einen Artikel in der Thüringer Allgemeinen von Renate Rusche habe ich mich am Wochenende mal in unseren Wald begeben, um das Eschensterben zu überprüfen.
Der erste Eindruck war nicht so gravierend, da schon einige Bäume ihr Laub abwerfen.
Bei genaueren Hinsehen aber wurde mir schnell klar, dass dies kein normaler Zusatnd ist.
Nun habe ich mich mal im Inernet umgeschaut und einige Informationen zusammengetragen sowie ein paar Bilder von mir angefügt, aufgenommen in unserem Wald am Kattstein.
Interessante Informationen habe ich unter www.waldwissen.net gefunden:
Im Frühjahr 2010 konnte ein Pilz, das Falsche Weiße Stengelbecherchen (Hymenoscyphus pseudoalbidus) als Verursacher des Eschentriebsterbens identifiziert werden. Es bildet im Sommer auf den am Boden liegenden vorjährigen Blattspindeln unscheinbare Fruchtkörper aus. Diese Fruchtkörper entlassen Sporen, die mit dem Wind verfrachtet werden und die Blätter infizieren. Der Pilz wächst dann ausgehend von den Blättern in das unverholzte Mark von Zweigen und Trieben. Erst wenn das Mark erfolgreich besiedelt wurde wächst der Pilz in die bereits verholzten Bereiche weiter. Die Infektion erfolgt ausschließlich über die Sporen. Befallenes Holz ist dagegen nicht infektiös. Erste Anzeichen des Eschentriebsterbens sind unregelmäßige Farbveränderungen an den Blattspreiten. Deutlich später werden braune Rindennekrosen an den Trieben sichtbar, die im unbelaubten Zustand sehr deutlich zu erkennen sind. Triebumfassende Rindennekrosen unterbrechen die Wasserversorgung des Astes, so dass Pflanzenteile oberhalb der Nekrose welken und absterben. Die Blätter bleiben noch längere Zeit am Zweig hängen. Unterhalb dieser Nekrosen treiben schlafende Knospen aus und führen so zu einer Verbuschung der Krone. Die so geschwächten Bäume werden anfälliger für sekundäre Schadorganismen, wie Hallimasch und Eschenbastkäfer.
Artikel in der TA am 27. September 2014 von Renate Rusche
Züchtung widerstandsfähiger Klone oder wirksames Gegenmittel gegen die Pilzkrankheit ist bis heute nicht in Sicht
Seit einigen Jahren kommt es in größeren Umfang zu Schäden an der gemeinen Esche. Es begann in den 90er-Jahren im Baltikum und in Polen. Seit 2002 tritt die neue Baumkrankheit, das sogenannte „Eschentriebsterben“, in Deutschland auf. Auch im Südharz, sagt Klaus Brüggemann, der Leiter des Forstamtes Südharz-Bleicherode. Diese Pilzkrankheit breitete sich in Thüringen zunächst von Bad Berka über Ebeleben bis in das Bleicheröder Forstamtsrevier Gudersleben aus. Inzwischen sorgt es flächendeckend im gesamten Landkreis Nordhausen für das Sterben dieser Edelholzbäume. Die Symptome können vor allem an Jungpflanzen beobachtet werden. Im Frühjahr ist es besonders günstig, die Krankheit zu erkennen, weil ein verspäteter Blattaustrieb zu beobachten ist. Danach sieht man welke Blätter, ein eintrocknen der der oberen Spross-Segmente kann folgen.
Das Endstadium sind abgestorbene Eschen in unseren Wäldern, was die Forstleute vor erhebliche Schwierigkeiten stellt, sagt Klaus Brüggemann. Der Erreger für das Eschensterben war lange unbekannt. 2006 wurde als Ursache ein Gefäßpilz identifiziert. Nach neuesten Forschungen wird vom Falschen Weißen Stengelbecherchen gesprochen. Es besteht aber noch weiterer Forschungsbedarf. 2009 kamen die ersten Informationen über das Auftreten der auffälligen Triebschäden bei Esche aus Mittelthüringen. Das Referat Waldschutz der Thüringer Landesanstalt für Wald, Jagd und Fischerei in Gotha gab ständig neue Erkenntnisse über den Stand des Eschentriebsterbens an die Thüringer Forstämter weiter. Die Befallstellen mit Symptomen des Erregers in Thüringen erhöhen sich permanent. Die Vermutung liegt nahe, dass nun auch die neuartige Gefäßkrankheit in unseren Wäldern – erkannt oder nicht erkannt – flächendeckend auftritt. Experten vom Forstamt Bleicherode und der Forstinspektion Sondershausen nahmen bereits vor Jahren Laubholzkulturen und Jungwüchse mit größerem Eschenanteil unter die Lupe. Im südlichen Harzvorland, im Revier Gudersleben, wurden sie fündig. Revierleiter Wolfhard Gerlach, ein langjähriger Forstpraktiker mit geübtem Waldauge, hatten die Veränderungen in seinem Forst mit hohem Laubholzanteil schon längst beunruhigt. In den Gemarkungen Hörningen, Woffleben und Gudersleben waren Eschen in Erstaufforstungen und Dickungen betroffen. Als goldrichtig hat sich erwiesen, neue Kulturen als Mischwald mit mehreren Baumarten zu begründen. Risikominimierung heißt das. Man habe aus dem Ulmensterben gelernt, das noch gar nicht so lange her ist. Leider sind die Ulmen inzwischen aus den deutschen Wäldern verschwunden, sagt der Forstamtsleiter.
Direkte Bekämpfungsmaßnahmen oder ein Gegenmittel gegen den Pilz sind bei dieser chronischen und akuten Erkrankung der Eschen, die im Endstadium auch zum Absterben von Altbäumen führt, bis heute nicht gefunden. Entscheidungen, unter anderen über den weiteren Anbau von Esche, werden ins Auge gefasst. Allerdings sucht man noch immer nach resistenten Klonen. Hier befinden sich die Züchter und Forscher noch in der Erfindungsphase.
Ein Totalausfall der Gemeinen Esche, wie bei den Ulmen, wäre ausgesprochen bedauerlich. Als anspruchsvolle Charakterart buchenwaldartiger Laubwälder ist sie im Südharz als Wasseresche und im Harz-Vorland unter anderem als sogenannte Kalkesche präsent. Beim derzeitigen Waldumbau hin zu naturnahen, standortgerechten, stufigen Laubmischwäldern war und ist die Esche ein unverzichtbarer Bestandteil als einheimische Edellaubbaumart. Während junge Bäume nur noch als Brennholz dienen, versucht man ältere Edelholzbäume noch einer Nutzung zuzuführen. Vor allem auch jene, die im Zuge der Verkehrssicherungspflicht entlang der B81 fällen muss. „Aber irgendwie gleicht die Natur das wieder aus. Zurzeit verjüngt sich sehr aggressiv die Buche in unseren Revieren, auch in der Hainleite, in der die Esche stark vertreten war. Und wo das nicht ausreicht, pflanzen wir nach“, sagt Forstfachmann Brüggemann, der seit 40 Jahren im Dienst für die Thüringer Wälder aktiv ist.
Von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft wurde auch ein interessantes Merkblatt für das Erkennen und die Behandlung des Eschentriebsterbens herausgegeben: